Redestark
Auftreten und Aura

Ausstrahlung verbessern: Was Charisma wirklich ausmacht und wie du es trainierst

7 Minuten Lesezeit · Stand 14. Oktober 2026 · Redaktion Redestark

Du kennst die Szene: Zwei Leute sagen im Meeting fast dasselbe. Bei der einen nicken alle, beim anderen schaut man aufs Handy. Der Unterschied liegt selten im Inhalt. Er liegt darin, wie jemand dasteht, schaut, klingt und ob er wirkt, als meine er es so.

Ausstrahlung ist kein Geburtsgeschenk. Sie besteht aus Signalen, und Signale kann man üben. Viele beliebte Tipps sind in der Forschung allerdings durchgefallen, etwa Siegerposen vor dem Spiegel oder starrer Dauerblickkontakt.

Unten steht, was belegt ist, was nicht, und dazu fünf Übungen, die du diese Woche im Alltag ausprobieren kannst: im Job, an der Uni, beim Date oder am Familientisch.

Kann man Ausstrahlung lernen?

Ja, und dafür gibt es einen ziemlich direkten Test. Antonakis, Fenley und Liechti (2011) brachten Managern konkrete Techniken bei: Geschichten, Kontraste, Dreierlisten und eine lebendige Stimme. Etwa drei Monate später wurden diese Manager von Kollegen als charismatischer eingeschätzt. In einer zweiten Studie mit MBA-Studierenden zeigte sich nach sechs Wochen ein ähnliches Bild.

Charisma ist also zu einem guten Teil Handwerk. Es zeigt sich darin, was du sagst und wie du es sagst, nicht in einem geheimnisvollen Strahlen.

Wärme und Kompetenz: die zwei Achsen, auf denen man dich bewertet

Menschen beurteilen andere vor allem auf zwei Achsen: Wie warm ist jemand, und wie kompetent? Fiske, Cuddy und Glick (2007) beschreiben das als einen der stabilsten Befunde der Sozialpsychologie. Wer nur kompetent wirkt, gilt schnell als kühl. Wer nur warm wirkt, wird gemocht, aber nicht ernst genommen. Ausstrahlung entsteht, wenn man dir beides anhört.

Ein praktischer Hebel dafür: Erfolge teilen. VanEpps, Hart und Schweitzer (2024) zeigten in sieben vorab registrierten Studien, dass Menschen besser ankamen, wenn sie ihre eigene Leistung und die Leistung anderer zusammen nannten. Diese Doppel-Werbung ließ sie zugleich kompetenter und wärmer wirken.

Vorher

„Ich hab den Kunden an Land gezogen, war echt viel Arbeit, aber hat sich gelohnt.“

Nachher

„Ich habe das Angebot gebaut und das Gespräch geführt. Jonas hat die Zahlen in einer Nacht durchgerechnet. Jetzt haben wir den Kunden.“

Haltung: Nicht einsacken reicht

Power Posing war jahrelang der Ausstrahlungstipp schlechthin: zwei Minuten wie Superman dastehen, dann selbstbewusster sein. Die größere Studienlage sieht nüchterner aus. Eine Metaanalyse von Elkjær und Kollegen (2022) über 73 Studien fand: Eine zusammengesunkene, enge Haltung verschlechtert Stimmung und Verhalten im Vergleich zu einer neutralen Haltung. Ausladende Siegerposen bringen gegenüber neutral dagegen fast nichts. Die meisten Studien liefen im Labor und maßen kurzfristige Effekte, wie viel davon im Alltag übrig bleibt, ist offen.

Du musst also nicht posieren. Es reicht, nicht in dich zusammenzusacken.

Blick, Lächeln und Hände: was hilft und was überzogen ist

Blickkontakt. Mehr ist nicht automatisch besser. Chen, Minson, Schöne und Heinrichs (2013) fanden in Laborstudien, dass Zuhörer, die anderer Meinung waren, bei direktem Blickkontakt sogar weniger offen für das Argument waren. Der Blick kann dann wie Dominanz wirken. Natürlich wirkt ein Wechsel: Blick halten, beim Nachdenken kurz zur Seite, dann zurück.

Hände. Gesten helfen nicht nur dir, sondern auch deinen Zuhörern. Eine Metaanalyse von Hostetter (2011) über 63 Stichproben zeigt: Mit Gesten verstehen Zuhörer Botschaften besser als mit reiner Sprache, besonders wenn Gesten Handlungen zeigen oder etwas ergänzen, statt das Gesagte nur zu verdoppeln. Hände in den Hosentaschen kosten dich also Wirkung.

Lächeln. Ein Lächeln signalisiert Wärme, aber ein Dauergrinsen bei ernsten Themen passt nicht. Lächeln dort, wo es echt ist, etwa bei der Begrüßung, und ernst bleiben, wenn es um etwas Schwieriges geht.

Deine Stimme ist Teil deiner Ausstrahlung

Viele denken bei Ausstrahlung nur an Körpersprache. Dabei urteilen Menschen erstaunlich schnell über Stimmen. McAleer, Todorov und Belin (2014) ließen 320 Menschen 64 fremde Stimmen bewerten, die nur das Wort „Hello“ sagten, im Schnitt kürzer als eine Sekunde. Die Urteile über Vertrauenswürdigkeit, Dominanz oder Wärme stimmten zwischen den Hörern deutlich überein. Ob sie zutreffen, ist eine andere Frage. Aber dein erstes Wort am Telefon wird schon bewertet.

Zwei Dinge machen dabei den größten Unterschied: ein ruhiger Start, ohne dass die Stimme nach oben rutscht, und fallende Satzenden. Wie du das trainierst, steht in Stimme tiefer und ruhiger machen. Und wenn du vor einer Gruppe stehst, hilft dir Besser präsentieren weiter.

Was deine Ausstrahlung leise kaputt macht

Ausstrahlung verliert man oft nicht durch große Fehler, sondern durch kleine Abschwächungen: „eigentlich“, „nur kurz“, „ich glaube, vielleicht“, dazu Füllwörter und Rechtfertigungen, um die niemand gebeten hat. Jedes einzelne ist harmlos. Zusammen klingen sie, als würdest du dich für deine eigene Meinung entschuldigen.

Vorher

„Also, ich wollte eigentlich nur kurz sagen, dass ich vielleicht eine Idee hätte, falls das okay ist.“

Nachher

„Ich habe eine Idee für das Problem. (Pause) Darf ich sie in zwei Sätzen erklären?“

Wie du „äh“ und „halt“ loswirst, erklärt der Ratgeber Füllwörter abgewöhnen. In Redestark markiert der Stimmtest nach jeder Aufnahme Füllwörter rot und Abschwächer blau, so siehst du schwarz auf weiß, wo du dich kleiner machst (mehr auf der Startseite).

Die innere Haltung: Geh davon aus, dass man dich mag

Ein Teil der Ausstrahlung entsteht im Kopf, bevor du den Raum betrittst. In einem klassischen Experiment von Curtis und Miller (1986) wurde manchen Menschen vor einem Gespräch gesagt, ihr Gegenüber möge sie, anderen das Gegenteil. Wer glaubte, gemocht zu werden, verhielt sich wärmer und offener und wurde am Ende tatsächlich mehr gemocht. Die Erwartung erfüllte sich selbst.

Wie du nach der Begrüßung ins Gespräch kommst, steht in Smalltalk lernen. Und wenn jemand dich aus dem Konzept bringen will: Schlagfertig werden.

Häufige Fragen

Kann man Charisma lernen?

Ja, zumindest einen großen Teil davon. In den Studien von Antonakis und Kollegen (2011) wurden Manager nach einem Training mit Techniken wie Geschichten, Kontrasten und Dreierlisten von anderen als charismatischer eingeschätzt. Wie viel davon Veranlagung ist, weiß niemand genau. Die Wirkung auf andere ließ sich in den Studien aber messbar verändern.

Wie bekomme ich mehr Ausstrahlung als introvertierter Mensch?

Introvertiert heißt nicht schüchtern, und Ausstrahlung heißt nicht laut. Ruhige Signale wie eine aufrechte Haltung, ein ruhiger Blickwechsel, fallende Satzenden und echtes Zuhören wirken auch ohne große Bühne. Wähle Situationen, in denen du dich wohlfühlst, und übe dort zuerst.

Funktioniert Power Posing?

Kaum. Die Metaanalyse von Elkjær und Kollegen (2022) fand, dass ausladende Siegerposen gegenüber einer neutralen Haltung fast nichts bringen. Was nachweislich schadet, ist eine zusammengesunkene Haltung. Aufrecht und locker reicht.

Wie wirke ich selbstbewusster, ohne arrogant zu sein?

Kombiniere Kompetenz mit Wärme. Nenn eigene Leistungen klar, aber nenn auch, wer mitgeholfen hat: Laut VanEpps und Kollegen (2024) wirkt das zugleich kompetenter und wärmer. Und halte Blickkontakt locker statt starr, besonders bei Leuten, die anderer Meinung sind.

Quellen

  1. Antonakis, J., Fenley, M., & Liechti, S. (2011). Can charisma be taught? Tests of two interventions. Academy of Management Learning & Education, 10(3), 374-396. https://doi.org/10.5465/amle.2010.0012
  2. Chen, F. S., Minson, J. A., Schöne, M., & Heinrichs, M. (2013). In the eye of the beholder: Eye contact increases resistance to persuasion. Psychological Science, 24(11), 2254-2261. https://doi.org/10.1177/0956797613491968
  3. Curtis, R. C., & Miller, K. (1986). Believing another likes or dislikes you: Behaviors making the beliefs come true. Journal of Personality and Social Psychology, 51(2), 284-290. https://doi.org/10.1037/0022-3514.51.2.284
  4. Elkjær, E., Mikkelsen, M. B., Michalak, J., Mennin, D. S., & O'Toole, M. S. (2022). Expansive and contractive postures and movement: A systematic review and meta-analysis of the effect of motor displays on affective and behavioral responses. Perspectives on Psychological Science, 17(1), 276-304. https://doi.org/10.1177/1745691620919358
  5. Fiske, S. T., Cuddy, A. J. C., & Glick, P. (2007). Universal dimensions of social cognition: Warmth and competence. Trends in Cognitive Sciences, 11(2), 77-83. https://doi.org/10.1016/j.tics.2006.11.005
  6. Hostetter, A. B. (2011). When do gestures communicate? A meta-analysis. Psychological Bulletin, 137(2), 297-315. https://doi.org/10.1037/a0022128
  7. McAleer, P., Todorov, A., & Belin, P. (2014). How do you say „Hello“? Personality impressions from brief novel voices. PLOS ONE, 9(3), e90779. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0090779
  8. VanEpps, E. M., Hart, E., & Schweitzer, M. E. (2024). Dual-promotion: Bragging better by promoting peers. Journal of Personality and Social Psychology, 126(4), 603-623. https://doi.org/10.1037/pspi0000431

So entsteht dieser Ratgeber: Grundlage sind die Lektionen der App Redestark. jede Studienangabe wird gegen die Originalquelle geprüft und mit Link belegt. Fehler gefunden? Schreib an kontakt@redestark.app.

Weiterlesen

Alle Artikel im Ratgeber