Montag, 9 Uhr, Teammeeting. Du hast 14 Folien, alles stimmt, und trotzdem schauen nach drei Minuten die ersten aufs Handy. Am Ende fragt jemand: „Und was ist jetzt der Punkt?“
Die meisten Tipps zum Präsentieren drehen sich um Folien. Dabei entscheidet sich fast alles beim Sprechen: was du sagst, in welcher Reihenfolge und wie du es übst. Genau darum geht es hier.
Die Schritte unten funktionieren für ein Referat in der Uni genauso wie für einen Pitch oder die Quartalszahlen. Zu jedem Schritt gibt es eine Übung oder ein Vorher/Nachher-Beispiel, und wo es Forschung dazu gibt, steht dabei, was sie zeigt und wo ihre Grenzen liegen.
Erst die Kernbotschaft, dann die Folien
Bevor du eine einzige Folie baust, beantworte eine Frage: Was soll dein Publikum behalten, wenn es nur einen Satz behält? Das ist deine Kernbotschaft. Alles andere in der Präsentation ist Begründung, Beispiel oder Beleg für diesen Satz.
Viele Präsentationen scheitern nicht an zu wenig Inhalt, sondern an zu viel. Wer sich tief in ein Thema gearbeitet hat, will alles zeigen. Das Publikum hat aber nicht deine Vorarbeit im Kopf, sondern nur das, was du in den nächsten zehn Minuten sagst.
Sag die Kernbotschaft am Anfang und am Ende, ruhig in denselben Worten. Wer nach fünf Minuten kurz abgeschaltet hat, bekommt am Schluss eine zweite Chance.
Drei Punkte statt sieben
Wenn die Kernbotschaft steht, brauchst du Gründe. Wie viele? Weniger, als du denkst. Shu und Carlson zeigten Versuchspersonen Werbebotschaften mit unterschiedlich vielen positiven Argumenten. Der Eindruck wurde mit jedem Argument besser, aber nur bis zum dritten. Ab dem vierten kippte er: Die Leute merkten die Überzeugungsabsicht und wurden bei allen Punkten skeptischer. Einschränkung: Das galt, wenn klar war, dass der Absender überzeugen will. Bei einem Pitch oder einem Projektantrag ist das fast immer der Fall.
Drei Punkte haben einen zweiten Vorteil: Du kannst sie dir merken, ohne abzulesen, und dein Publikum auch.
„Es gibt da mehrere Gründe, also einmal die Kosten, dann die Zeit, die Qualität, das Team, ach ja, und die Kunden haben auch gefragt.“
„Drei Gründe sprechen dafür: Es ist billiger, es geht schneller, und die Kunden fragen danach.“
Den Rest musst du nicht wegwerfen. Er wandert in den Anhang oder in deine Antworten auf Fragen.
Wie fange ich eine Präsentation an?
Die ersten Sätze sind die, bei denen du am nervösesten bist und dein Publikum am aufmerksamsten. Verschwende sie nicht mit Ansagen über die Präsentation. Steig mit dem Inhalt ein: einer Zahl, einer Frage, die dein Publikum wirklich hat, oder einer kurzen Szene.
„Ja, hallo, also, ich soll heute was über unser Projekt erzählen, ich hoffe, die Technik funktioniert.“
„Wir haben drei Monate gebraucht, um eine Sache zu lernen: Unsere Kunden wollen weniger Funktionen, nicht mehr.“
Leg den ersten Satz Wort für Wort fest und lern ihn auswendig. Den Rest sprichst du frei an Stichworten entlang. Ein fester Anfang trägt dich über die ersten, wackligen Sekunden. Wenn dich genau diese Sekunden am meisten stressen, lies den Ratgeber Lampenfieber überwinden.
Frei sprechen statt ablesen: so übst du richtig
Die häufigste Art zu üben ist auch die schwächste: die Notizen immer wieder durchlesen. Roediger und Karpicke ließen Studierende Sachtexte lernen. Eine Gruppe las den Text noch einmal, die andere schrieb aus dem Gedächtnis auf, was sie noch wusste. Nach fünf Minuten lagen die Wiederleser vorn. Nach zwei Tagen und nach einer Woche behielt die Abruf-Gruppe deutlich mehr. Deshalb fühlt sich Wiederlesen so trügerisch effektiv an. Getestet wurde schriftliches Abrufen, nicht ein Vortrag. Die Übertragung liegt aber nahe: Sprich deine Präsentation frei und laut, statt sie still zu lesen.
Warum der echte Raum? Godden und Baddeley ließen Taucher Wortlisten an Land oder unter Wasser lernen. Was sie unter Wasser gelernt hatten, fiel ihnen unter Wasser besser ein, und umgekehrt. Das waren Wortlisten, keine Vorträge, und der Vorteil des vertrauten Raums ist kein Zaubertrick. Wenn du den Raum nicht vorher betreten kannst, ist das kein Drama.
Die Aufnahme aus Durchlauf 2 ist das ehrlichste Feedback, das du ohne Publikum bekommst. In Redestark misst der Stimmtest dabei Tempo, Pausenanteil und markiert Füllwörter rot. Wenn dir vor allem die „ähs“ auffallen, hilft der Ratgeber Füllwörter abgewöhnen.
Hände und Pausen: was beim Sprechen wirkt
Zwei Dinge machen beim Sprechen mehr aus als jede Folienvorlage: was deine Hände tun und wann du schweigst.
Hände: Lass sie mitreden. Eine Metaanalyse von Hostetter über 63 Stichproben zeigt: Mit Gesten verstehen Zuhörer Botschaften besser als mit Sprache allein, der Effekt ist mittelgroß. Am meisten helfen Gesten, die Handlungen und Bewegungen zeigen, und solche, die etwas ergänzen, statt nur das Gesagte zu verdoppeln. Bei abstrakten Themen ist der Effekt kleiner. Und sie helfen dir selbst: In einem Experiment von Rauscher und Kollegen durften Sprecher teils nicht gestikulieren. Bei räumlichen Inhalten sprachen sie dann weniger flüssig und machten mehr „ähs“ mitten im Satz. Hände in die Hosentaschen ist also keine gute Lösung. Natürliche Gesten auf Bauchhöhe sind es.
Pausen: Eine kurze Stille vor dem wichtigsten Satz kündigt an, dass gleich etwas kommt. MacGregor und Kollegen fanden, dass Zuhörer Wörter, die nach einer kurzen Pause kamen, später häufiger wiedererkannten. Untersucht wurden zögernde Pausen in einzelnen Sätzen, nicht die geplante Pause im Vortrag. Die Übertragung ist naheliegend, aber nicht getestet. Wie du Pausen gezielt setzt, steht im Ratgeber Pausen beim Sprechen.
Geschichten: Ergänzung, kein Ersatz
Eine konkrete Geschichte macht ein Argument greifbar. Wie stark der Effekt ist, sollte man aber nicht übertreiben. Braddock und Dillard haben viele Studien zu Geschichten zusammengefasst: Geschichten verschieben Überzeugungen, Einstellungen und Absichten in ihre Richtung. Der Effekt ist verlässlich, aber eher klein. Für echtes Verhalten gab es nur fünf Studien.
Bring deshalb zuerst dein Argument, dann eine kurze Szene, die es zeigt. Mit Ort, Zeit und einem Satz, den jemand wirklich gesagt hat. Eine Szene pro Hauptpunkt reicht.
Wie beende ich eine Präsentation?
Viele Präsentationen enden mit „Ja, das war's eigentlich“ und einer Folie, auf der „Danke“ steht. Damit verschenkst du den Moment, der besonders hängen bleiben kann.
Kahneman und Kollegen ließen Versuchspersonen die Hand in kaltes Wasser halten: einmal 60 Sekunden bei 14 Grad, einmal dieselben 60 Sekunden plus 30 Sekunden, in denen das Wasser leicht auf 15 Grad stieg. Die meisten wollten lieber den längeren Durchgang wiederholen, obwohl er insgesamt mehr unangenehme Zeit enthielt. Er endete milder. Wie wir ein Erlebnis im Rückblick bewerten, hängt stark vom Ende ab. Für Präsentationen ist das nicht direkt getestet, aber plausibel genug, um den Schluss bewusst zu planen.
„Ja, das war's eigentlich so weit, habt ihr noch Fragen?“
„Billiger, schneller, und die Kunden wollen es. Deshalb: Lasst uns im Mai starten. (Pause) Jetzt eure Fragen.“
Der Aufbau dahinter: Kernbotschaft wiederholen, ein klarer nächster Schritt, dann Fragen. Sprich den letzten Satz mit fallender Stimme und bleib danach eine Sekunde ruhig stehen. Wie du auch bei Nachfragen souverän bleibst, kannst du in Vorstellungsgespräch souverän nachlesen, das Prinzip ist dasselbe.
Häufige Fragen
Wie präsentiere ich richtig?
Fang mit einer Kernbotschaft in einem Satz an und stütz sie mit höchstens drei Punkten. Steig mit Inhalt statt mit Ansagen ein, übe frei und laut statt durch Lesen und plane deinen Schluss bewusst. Die Folien kommen erst danach.
Soll ich meine Präsentation auswendig lernen?
Nur den ersten Satz und die Kernbotschaft. Den Rest übst du frei an Stichworten entlang. Wer alles Wort für Wort auswendig lernt, gerät bei einem einzigen vergessenen Wort leichter aus dem Takt.
Wie oft sollte ich eine Präsentation üben?
Eine feste Zahl gibt es nicht. Bewährt haben sich mehrere laute, freie Durchläufe an verschiedenen Tagen statt vieler stiller Leserunden. Mindestens einen Durchlauf solltest du aufnehmen und anhören.
Wohin mit den Händen bei einer Präsentation?
Lass sie mitreden, am besten auf Bauchhöhe. Studien zeigen, dass Gesten dem Publikum beim Verstehen helfen und dir selbst beim flüssigen Sprechen. Unterdrücken bringt dir eher mehr „ähs“.
Wie viele Punkte gehören in eine Präsentation?
Für die Hauptargumente sind drei eine gute Obergrenze. In einer Studie zu überzeugenden Botschaften wurde der Eindruck bis zum dritten Argument besser und kippte ab dem vierten ins Misstrauen.
Quellen
- Shu, S. B., & Carlson, K. A. (2014). When three charms but four alarms: Identifying the optimal number of claims in persuasion settings. Journal of Marketing, 78(1), 127 bis 139. https://doi.org/10.1509/jm.11.0504
- Roediger, H. L., & Karpicke, J. D. (2006). Test-enhanced learning: Taking memory tests improves long-term retention. Psychological Science, 17(3), 249 bis 255. https://doi.org/10.1111/j.1467-9280.2006.01693.x
- Godden, D. R., & Baddeley, A. D. (1975). Context-dependent memory in two natural environments: On land and underwater. British Journal of Psychology, 66(3), 325 bis 331. https://doi.org/10.1111/j.2044-8295.1975.tb01468.x
- Hostetter, A. B. (2011). When do gestures communicate? A meta-analysis. Psychological Bulletin, 137(2), 297 bis 315. https://doi.org/10.1037/a0022128
- Rauscher, F. H., Krauss, R. M., & Chen, Y. (1996). Gesture, speech, and lexical access: The role of lexical movements in speech production. Psychological Science, 7(4), 226 bis 231. https://doi.org/10.1111/j.1467-9280.1996.tb00364.x
- MacGregor, L. J., Corley, M., & Donaldson, D. I. (2010). Listening to the sound of silence: Disfluent silent pauses in speech have consequences for listeners. Neuropsychologia, 48(14), 3982 bis 3992. https://doi.org/10.1016/j.neuropsychologia.2010.09.024
- Braddock, K., & Dillard, J. P. (2016). Meta-analytic evidence for the persuasive effect of narratives on beliefs, attitudes, intentions, and behaviors. Communication Monographs, 83(4), 446 bis 467. https://doi.org/10.1080/03637751.2015.1128555
- Kahneman, D., Fredrickson, B. L., Schreiber, C. A., & Redelmeier, D. A. (1993). When more pain is preferred to less: Adding a better end. Psychological Science, 4(6), 401 bis 405. https://doi.org/10.1111/j.1467-9280.1993.tb00589.x
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